DIE GRÜNEN

Stadt

Andrea Pavlovec-Meixner
16. Juli 2013 - Andrea Pavlovec-Meixner - , , ,

Stadtpark I: Müssen Alleen der Hacke zum Opfer fallen?

So titelte die steirische Kronen Zeitung bereits  im Jahr 1976! Und startete eine Kampagne “Grünes Graz” mit dem Slogan “Grazer Bäume dürfen nicht sterben”! Schön wäre es, wenn sich eine solche Aktion nach 38 Jahren wiederholen ließe und ein Kampf um jeden Baum ausgerufen würde! Wir haben heute viele neue Möglichkeiten, unsere ehrwürdigen Baumriesen zu retten und zu erhalten! Ich bedanke mich schon jetzt bei den Damen und Herren aus den Redaktionen.

Und mit einem großen Dankeschön an Wolfgang Wagner für die ausführlichen Recherchen darf ich zu einer  kleinen Zeitreise einladen:

Ende Mai 1976 (das genau Datum ist dem Artikel nicht mehr zu entnehmen) schockierte eine Schreckensmeldung die Grazerinnen und Grazer. Auf Seite 9 der Kronen Zeitung prangte die Headline: “Test ergab: Die Grazer Alleen sind in Gefahr!” Auszüge aus dem Artikel: “… Vizebürgermeister Dipl. Ing. Hasiba: “… Alleen, die in Zeiten des Kutschenverkehrs gepflanzt wurden, bedürfen bald einer kompletten Erneuerung!”Und das sind die neuralgischen Punkte der Innenstadt: Jakominiplatz, Maria-Theresien-Allee, Erzherzog-Johann-Allee, Schillerplatz, Lendplatz, Parkstraße, Opern- und Joanneumring.
Im Fall Alleen wird aber nun von wissenschaftlicher Seite eine Untersuchung angestellt. Drei Varianten sind für das Grazer Stadtbild zu erwarten:
Variante 1: Alleen zur Gänze durch Neupflanzungen zu ersetzen.
Variante 2: Junge Pflanzen unter alte mischen.
Variante 3: Zugleich die teuerste: Sechs Meter hohe Bäume anstelle abgestorbener einsetzen.”

Schon wenige Tage danach – am 2. Juni 1976 – fand sich das Thema auf dem Titelbild der Krone:  “Müssen Alleen der Hacke zum Opfer fallen? Experten schlagen Alarm: In Graz sterben die Bäume.

Graz: Nun Kampf um jeden Baum! “In Graz schlagen die Wissenschaftler Alarm: durch schlechte Luftqualität und vor allem durch einen tückischen , ansteckenden Pilzbefall drohen ganze Alleen auszusterben. Wie sehr der Schein trügen kann, zeigt sich in der Marien-Theresien-Allee: 14 von 30 Bäume wird man bald fällen müssen! … Nun will man um jeden Baum kämpfen! Der Plan sechs Meter hohe Bäume anstelle der abgestorbenen einzusetzen, dürfte vermutlich an der Kostenfrage scheitern. (Vgl, Krone, 2.6.´76, S.6)

Auch am Folgetag (3. Juni 1976) blieb das Thema auf dem Titelblatt: Grüne Lungen unserer Hauptstadt in Gefahr: Die letze Chance für Grazer Bäume: Sofortmaßnahmen
Auf den Seiten 6 und 7 folgt die Schreckensmeldung: Nahezu alle Bäume zum Tod verurteilt!  Im Artikel werden dann aber konkrete Vorschläge vorgestellt, wie die Bäume vielleicht noch zu retten wären:  “Univ. -Prof. Dr. Franz Wolkinger (Ludwig-Boltzmann-Institut) zur steirischen “Kronen Zeitung”: “70 – 80 Prozent der Grazer Alleebäume in der Grazer Innenstadt sind am Absterben. Wir Wissenschaftler machen dafür vor allem zwei Ursachen verantwortlich: erstens die Salzstreuung im Winter und zweitens die Einschränkung des Lebensraumes der Bäume durch starke Asphaltierung.” Dr Stefan Plank , Botaniker dieses Instituts sieht allerdings noch eine Möglichkeit die “grüne Lunge” der Landeshauptstadt zu retten. … So will der Wissenschaftler die Stadt Graz vor dem Baumsterben bewahren: Der Boden, in den die Bäume gepflanzt sind, muß gespült werden, um das schädliche Salz zu entfernen. Der  “Asphaltrahmen” am Ansatz der Bäume muß  weg. Die bereits verseuchte … Erde muß ersetzt und durch frische ersetzt werden. Die Salzstreuung in der Alleestraßen der Innenstadt muß noch in diesem Winter eingestellt werden.”

Sehr bemerkenswert ist die Kolumne von Kurt Markaritzer (“Darüber reden die Steirer”) unter dem Titel Gartenstadt? Markaritzer schreibt  unter anderem: “Da muß man die Anliegen des Umweltschutzes berücksichtigen; in einer Zeit in der man bemüht ist, die natürliche Flora zu erhalten, kann man es nicht hinnehmen, daß hunderte Bäume langsam aber sicher absterben. Da ist es auch ganz wesenlich, daß durch den Tod der Bäume die Gesundheit der Grazer bedroht ist. Der anerkannte Wissenschaftler Univ.-Prof. Dr. Alois Bernatzky aus Frankfurt hat es am Dienstag bei einem Vortrag in Graz ganz deutlich gesagt: “Wenn man einen zehn Meter hohen Baum fällt, so muß man 2700 (!) Jungpflanzen einsetzen, um die gleichen klimatischen Bedingungen zu schaffen wie vorher!” … Wir alle sollten diese Fachleute unterstützen, denn die Bäume sind nicht nur das Symbol der Gartenstadt – sie sind im wahrsten Sinne des Wortes unsere “grüne Lunge!”

Vuckovic fährt fort: „Jeder hundertjährige Baum, der heute in Graz stirbt, kann erst in hundert Jahren vollwertig ersetzt werden ….“ und kündigt ein Initiative an: „Die steirische „Kronen-Zeitung“ unternimmt nun den Versuch, das durch die ständig steigende Umweltverschmutzung dringender werdende Bedürfnis nach Grün in der Stadt zu artikulieren. Wir werden auch unsere vielen Leser auffordern, sich für die Rettung unserer Bäume einzusetzen. … Und da wir daran glauben, daß eine Stadt nur so reich ist wie die Zahl ihrer Bäume, und weil wir um die existenzielle Bedeutung unseres immer kleiner werdenden Baumbestandes wissen, wollen wir nicht tatenlos zusehen, wie man unsere grünen Lungen einfach sterben läßt.“ (Vgl. Krone, 5.Juni 1976, S 6-7.)

Gesagt getan! Am 6. Juni ist das Baumthema wieder auf der Titelseite der Krone. Helfen sie mit: Wir kämpfen um jeden Baum!  Heute Startschuß zur Aktion „Grünes Graz“
Dem Thema Baumerhalt ist in der Krone vom 6. Juni 1976 nicht nur der Titelseite gewidmet sondern es folgen auf Seite 10-11 auch ein doppelseitiger Artikel, zwei Fotos und eine Kolumne. Der Titel des Artikels: Grazer Bäume dürfen nicht sterben! „Weil die Gefahr so groß ist, hat die steirische „Kronen-Zeitung“ die Aktion „Grünes Graz“ gestartet. Wir bitten unsere große Leserfamilie, uns beim Kampf um jeden Baum zu helfen.“  Eines der zwei beigefügten Bilder zeigt einen Buben auf seinem Dreirad, der gerade über das Kopfsteinpflaster der Marien-Theresien-Allee fährt. Der Text zum Bild:
„So ist es noch: herrliche Bäume, welche die Grazer Innenstadt verzieren und für die Gesundheit der Stadtbewohner äußerst wichtig sind. 800 dieser Bäume sind dem sicheren Tod geweiht, wenn die Stadtväter nicht sofort Maßnahmen setzen.“
(Vgl. Krone, 6.Juni 1976, S 10-11.)

Fortsetzung folgt.

 


Andrea Pavlovec-Meixner
18. März 2013 - Andrea Pavlovec-Meixner - , , ,

Grazer Trinkwasser – keine Gefahr durch Aluminium!

Letzte Woche wurde auf arte der Film “Die Akte Aluminium” ausgestrahlt: http://www.arte.tv/de/sendung-verpasst/7375794.html

Bei mir sind in der Folge zahlreiche Anfragen besorgter GrazerInnen eingegangen, ob auch in Graz das Wasser mit Aluminiumverbindungen geklärt wird. Erfreulicherweise kann ich nach Rückfrage bei der Abteilung Wasser dazu Entwarnung geben:

Das Grazer  Trinkwasser wird nativ an die KundInnen geliefert. Es benötigt keinerlei Aufbereitung und entspricht wie es aus dem Boden kommt der Trinkwasserverordnung.

Auch was das Abwasser betrifft arbeitet die Wasserabteilung nicht mehr mit Aluminium. Zitat aus der Stellungnahme: “Für die Fällung haben wir eine Zeit lang auch ein Polyaluminiumprodukt gewählt. Es wurde vor rund zwei Jahren vom neuen Betriebsleiter, letztendlich aus Gründen der besseren Umweltverträglichkeit,  entschieden,  dass wir an unserer Kläranlage ausschließlich Eisen-III-Chlorid als Fällungschemikalie einsetzen. Ein geringer Eisengehalt im Abwasser erscheint uns und allen Fachleuten als eindeutig umweltverträglicher in aquatischen Systemen als gelöstes Aluminium, welches ja so aufgrund seiner geringen Löslichkeit  in der Natur in Lösung nicht vorkommt.

Der Film “Die Akte Aluminium” kommt übrigens bald auch ins Kino!


Andrea Pavlovec-Meixner
12. Februar 2013 - Andrea Pavlovec-Meixner - , ,

Ist das Grazer Wasser in Gefahr?

Die über eine Million Unterschriften (herzliche Gratulation!), die die Europäische BürgerInnen-Intitaive gegen Wasserprivatisierung gesammelt hat, zeigen, wie sehr das Thema Menschen in ganz Europa berührt und aktiv werden lässt. Während einige Medien das Thema herunterspielen, unterstützen andere die berechtigten Forderungen der BürgerInnen nach Sicherheit ihrer Wasserversorgung. Nun wird sogar das Land Steiermark von seinen BürgermeisterInnen ein klares Bekenntnis zu wichtigen Ressource Wasser einfordern – was immer das heißen mag…

In den letzten Wochen habe ich sowohl mit VertreterInnen der BI als auch mit Mitarbeitern der Stadt gesprochen. Auch wenn letztere keine Gefahr einer Wasserprivatisierung in Graz durch die EU-Konzessions-Richtlinie sehen – die öffentliche Wasserversorgung  ist als Teil der Daseinsvorsorge über das Statut der Stadt Graz sehr gut abgesichert -  stehen sie der Richtlinie skeptisch gegenüber. Die Abteilung Wasserwirtschaft in der Holding Graz ist zu 100% im Eigentum der Stadt, auch das beruhigt. Denn in anderen Landeshauptstädten, wo teilweise private Unternehmen beteiligt sind, könnte es mit der Richtlinie kritisch werden, sagen mir ExpertInnen.

Das  Thema dominierte auch das Symposium Wasserversorgung, das vor Kurzem in Wien stattfand. Wie ich höre, bemüht sich auch die ÖSTERREICHISCHEN VEREINIGUNG FÜR DAS GAS- UND WASSERFACH (ÖVGW) darum, dass Wasser und Abwasser aus der EU-Konzessions-Richtlinie herausgenommen werden.

Und der allgemeine Tenor lautet: Wehret den Anfängen, wer weiß, was die EU nachsetzt. Das kann ich nur unterstreichen – die Grünen sind in den Kommunen, Ländern bis zum EU-Parlament mit Initiativen aktiv und unterstützen die Forderungen der europaweiten BürgerInnen-Initiave.

Wer sich im Detail informieren möchte, ist herzlich eingeladen!

Veranstaltungen zum Thema:

Attac Graz und Spektral laden am 13.2. um 19:00 zur Filmvorführung von “Water Makes Money” mit anschließendem Publikumsgespräch ins Spektral am Lendkai 45.

Die Grünen laden am 21.02. um 19.00 Uhr ins Cafe Kaiserfeld zu “Wird unser Wasser verkauft?”


Karl Dreisiebner
23. November 2012 - Karl Dreisiebner - , , , ,

´Nasen-Rückbau´ am Dietrichsteinplatz: Jetzt hat ER fertig..

..was ER als Urlaubsvertretung für das zuständige Stadtregierungsmitglied Lisa Rücker – ohne Not und ohne Pouvoir – begonnen hat!

Zur Erinnerung: Über den Sommer fanden am Dietrichsteinplatz Umbaumaßnahmen für die Straßenbahn statt. Dabei ist aus Sicherheitsgründen im Bereich des, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden, Gehsteiges am Ende der Grazbachgasse der Gehsteig nach vorne gezogen worden. Der Grund für diese – volkstümlich bald ´Nase´ genannte Gehsteigverbreiterung, war, die Sicherheit für die vielen hundert FußgängerInnen, darunter eine riesige Anzahl an Kindern, die diesen Übergang nutzen, zu erhöhen. Die Fahrspurbreite für den Autoverkehr war damals auf – komfortable – 3,5 Meter ausgelegt. weiterlesen


Karl-Heinz Posch
22. November 2012 - Karl-Heinz Posch - , , , , , , ,

Wie finanzieren wir das?

Wir haben viele Vorschläge zur Verbesserung der Stadt, und diese werden in der Umsetzung Geld kosten – wie soll das dann in Zukunft finanziert werden? Dazu ein paar Gedanken und Vorschläge.

Die Grazer Grünen haben in der Koalition mit der ÖVP mit viel Mühe und viel persönlichen Einsatz eine Konsolidierung der Grazer Stadtfinanzen erreicht: das heisst, es wird mehr eingenommen, als ausgegeben wird – zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Das wäre ohne die Grünen nie gegangen – da in den bisherigen Koalitionen (in den letzten Jahrzehnten gab es ÖVP-SPÖ und FPÖ-ÖVP) es mehr um Posten und Einflusssphären ging, und weniger um eine echte Konsolidierung. Die Grünen interessiert die Zukunft der Stadt und vernünftiges Wirtschaften und bekanntlich keine Posten – Korruption Null.

Das kann nur Grün, in anderen Koalitionen ist ein Rückfall in alte Muster zu befürchten. Das ist das eine.

Das andere ist Kreativität und das Geld effektiv einsetzen. Dazu folgende Vorschläge:

Baustellenkoordination und Straßeninstandhaltungsmaßnahmen nutzen: Straßen verwandeln sich regelmäßig in Baustellen: Rohrleitungen, Gleiserhaltung, Belagserneuerung, Gehsteigerneuerung etc. Solche Baustellen, für die in Graz ein fixes laufendes Budget vorgesehen ist, sollen generell immer für eine Erneuerung in Richtung Fußgänger- und Fahrrad-freundliche Gestaltung genutzt werden, anstelle das einfach der vorhergehende Zustand wiederhergestellt wird. Auf diese Weise kommt man ohne große Extra-Kosten in 20 Jahren zu einer grunderneuerten, die sanfte Mobilität bevorzugenden Stadt.

EU-Fördergelder lukrieren: die EU hat zahlreiche Programme aufliegen – Smart City, CIVITAS, Interreg, Urbact  um nur ein paar zu nennen. Die Stadt Graz kann hier – jährlich – viele Millionen Euro bekommen, wenn sie sich in Richtung sanfter Mobilität anstrengt und maximal bei EU-Projekten dabei ist. Hier wurde bereits einiges erreicht – z.B. wurde über das Projekt Bicy die Grazer Radkarte finanziert, über das Projekt Cyclelogistics die Einführung von Lastenrädern gefördert oder über das Projekt Trendsetter die Radunterführung der Keplerbrücke mitfinanziert. Aber es ist ein vielfaches davon möglich – bei entsprechendem Fokus, der bisher leider zu schwach war.

Gelder effizient einsetzen: Anstelle von gigantischen Investitionen in den Autoverkehr (alleine der Südgürtel kostet geplante 133 Millionen – meist wird das später noch teurer) – sind Investitionen in den Radverkehr viel günstiger und viel effizienter (um ca. 1/10 der Südgürtel-Kosten könnte in ganz Graz ein Luxusradwegenetz geschaffen werden). Das wäre wirksam in der ganzen Stadt und würde den Autoverkehr entlasten, statt ihn weiter anzuheizen. (leider mussten wir im Rahmen der Koalition dem Bau des Südgürtels zustimmen – das sind halt die Kompromisse, die man eingehen muss, wenn man was weiterbringen möchte). Ein weiteres Beispiel: Anstelle von gigantischen Investitionen in das Murkraftwerk (mindestens 87 Millionen, plus bis zu 50 Millionen Folgekosten für die Stadt durch den erforderlichen Bau eines Zentralkanals) kann das Geld besser in die thermische Sanierung von Häusern und der intelligenten Unterstützung von Energiesparmaßnahmen in Haushälten investiert werden (nur ein Beispiel: der von uns erreichte Ersatz aller Ampelbeleuchtungen durch LEDs brachte 70% Energieeinsparung). Das bringt jedem Haushalt was und unterstützt die lokale Wirtschaft.

Und so gibt es noch viele Beispiele: autofreies oder autoreduzierter Wohnbau statt auto-orientierter Wohnbau mit teuren, riesigen  Tiefgaragen, Stadteilzentren statt Ordnungswache, ganzheitliche Stadtentwicklung statt planlosem Wachstum… das alles kann nur grün!

Das war mein letzter Blog vor der Wahl – am 25.11.  habt ihr jetzt die Wahl:  Deine Stadt – Deine Entscheidung!!


Karl-Heinz Posch
17. November 2012 - Karl-Heinz Posch - , , , , , ,

Shared Space als Chance

Zugegeben, ganz perfekt ist er nicht gelungen, der Sonnenfelsplatz – die Farben und die Gestaltung entsprechen nicht dem ursprünglichen Konzept und sind in der Ausführung nicht wirklich gut gelungen. Die sowieso notwendigen Sanierungskosten von 500.000 wurden in die gesamte Platzgestaltungskosen von gut 700.000 Euro miteingerechnet. Einige angeblich bereits marode Bäume mussten in der Bauphase gekappt werden, auch nicht grad geschickt für das „Grün“-Image. Aber… der Platz funktioniert und die Unfallzahlen sind zurückgegangen. Und Shared Space ist die vielleicht wichtigste Innovation im Stadtverkehr der letzten 20 Jahre. Warum:

- Es beseitigt den Schilderwald und oft auch unnötige Ampeln
- Es ermöglicht eine architektonische, ästhetisch anspruchsvolle Gestaltung
- Es schafft Zonen, die allen Verkehrsarten Platz geben, ohne die Autos zu verbannen
- Es funktioniert auch auf relativ stark befahrenen Straßen (bis zu 20.000 Fahrzeuge am Tag!)
- Es vertraut auf das natürliche Verhalten des Menschen, und nicht auf Regeln und Technik
- Bei der Planung und Gestaltung werden die Anrainer und Nutzer miteinbezogen
- Kurz: es schafft Stadt

Wikipedia hat dazu ein relativ guten Artikel. Hier auch ein gutes Einführungsvideo auf Englisch.

Wir können in Graz stolz sein, dass Graz diese Innovation als erste Großstadt in Österreich hat – und es sollten noch viele Plätze ähnlich gestaltet werden. Hier ein paar Beispiele als Denkanstöße, die links führen jeweils zu Google-Map Auscchnitten mit der Beschreibung:

Bad-zur-Sonne-Platz

Nördlicher Lendplatz

Südlicher Lendplatz/Stockergasse

Kaiser-Josef-Platz

Geidorfplatz

Griesplatz

Jakominiplatz, der seit Jahrzehnten natürlich funkionierende Shared Space Platz in Graz

Ich hab den leider zu früh verstorbenen “Erfinder” von Shared Space, Hans Monderman, mit meiner Firma persönlich nach Graz eingeladen und bin mit ihm durch Graz spaziert. Seine Sichtweise hat mich tief beeindruckt, und heute sehe ich die Stadt mit anderen Augen. Das war 2007 – seitdem hat sich Shared Space in Österreich langsam, aber doch entwickelt. Mit genügend Grün-Stimmen kann dieser Kurs in Graz fortgesetzt werden – eine große Chance. Alle anderen Parteien stehen Shared Space leider verständnislos, passiv oder ablehnend gegenüber.

 

 


Karl-Heinz Posch
13. November 2012 - Karl-Heinz Posch - , , , ,

Alptraum Reininghaus?

Das ist das erste große Leitprojekte für den “nachhaltigen, innovativen” Stadtteil Reininghaus. Durchgeboxt und ausdrücklich begrüßt vom Planungsreferent Bürgermeister Nagl. Ein gesichtsloser, stadtfeindlicher Glaskasten, ohne irgendein Bezug zum Stadtteil. Der Bau wird 100 Einsatzfahrzeuge, Prüfhallen, 133 Tiefgaragenplätze beherbergen, dazu kommen 143 Oberflächenparkplätze. Oberflächenparkplätze! Mitten in der Stadt. Das gehört an die Autobahn, und nicht in die Stadt. O-Ton Nagl: „Türöffner für die weitere Entwicklung des Stadtteils Reininghaus“. Wie der Spruch täuscht auch das Bild, in Wirklichkeit entsteht vor diesem Kasten dichter Autoverkehr.

Ja, ich war für den Ankauf der Reininghausgründe durch die Stadt – weil er Chancen bot. Wir Grüne planten mit der ÖVP diesen Ankauf gut vorzubereiten und den Grazer dann ein gutes, durchdachtes Verhandlungsergebnis und Entwicklungskonzept vorzulegen. Leider hat Bürgermeister Nagl stattdessen lieber die Koalition gebrochen und eine grottenschlecht vorbereite Volksbefragung durchgezogen. Verkauft hat er das als „Mit den Grünen kann man nicht regieren“ und die neue „Direktdemokratie“. Sodann wurde der Stadtplaner Schöttli relativ flott entfernt (er steht auch weiterhin unter Korruptionsverdacht), der durchaus kompetente Nachfolger kam direkt aus dem Büro des Bürgermeisters. Dann gab es Geheimverhandlungen mit den Besitzern – Asset One – und es wurden immerhin 20  Millionen für die Stadt herausverhandelt. In dieses Verhandlungsergenis haben wir Grüne dann noch die Reservierung von Freiflächen hineinreklamiert und letzendlich auch zugestimmt – da es deutlich besser ist als gar kein Ergebnis zu haben.  So steht der Bürgermeister gut da – alles Zufall?

Verschwiegen wird einiges: für die Asset One, die zahlreichen Genossenschaften und Baulöwen wird das ein Bombengeschäft. Man fragt sich, wer die Hintermänner des bombastischen, millionenteuren Nagl-Wahlkampfs sind.  Die Infrastrukturkosten, die die hineinverhandelten 20 Millionen um ein Vielfaches übersteigen, trägt in Zukunft die Stadt. Es droht, dass die Genossenschaften und Baulöwen  Stadtzerstörung in gewohntem Sinn betreiben: riesige gesichtslose Wohnmaschinen (wie z.B. diese oder diese) mit riesigen Tiefgaragen die jede Menge zusätzlichen Autoverkehr produzieren. Von einer umweltfreundlichen, autofreien Entwicklung wird sich  auf diese Weise wenig finden, nur Kosmetik in Form eines eingezäunten Parks, ein bisserl Photovoltaik und ein paar Elektrotankstellen. Der Trend ist  gut erkennbar am oben beschriebenen “Leitprojekt”.

Ein Alptraum. Dieser Bürgermeister muss so schnell wie nur irgend möglich seinen Einfluss auf die Stadtplanung verlieren. Stadtplanung können wir wesentlich besser dieser werbeagenturgesteuerte Bürgermeister, davon bin ich überzeugt! Der moderne Gegenentwurf (wie z.B. hier konzeptuell dargelegt und hier realisiert) lautet kleine Parzellierungen, ganzheitliche Entwicklung, autofreie Pilotprojekte, jede Menge Baugruppen und sorgfältig austarierte Kostenbeteiligung der Bauträger an der Infrastruktur.

Ich sag’s euch ehrlich: das kann nur Grün.


Karl-Heinz Posch
8. November 2012 - Karl-Heinz Posch - , , , ,

Wie wird’s besser im Gemeindebau

In der letzten Woche war ich an den meisten Abenden unterwegs: von Tür zu Tür, sehr spannend, sehr lehrreich. In den Gemeindebauten in der Waagner-Biro-Straße, Laudongasse, Daungasse traf ich Personen aus mindestens 20 verschiedenen Nationen. Die Migranten treten meist recht selbstbewusst, bezüglich den Wahlen oft etwas unwissend auf, manche haben Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache – da helfen unsere fremdsprachigen Folder wunderbar. Viele „alt“-Österreicher sind ob des rapiden Wandels der Bewohnerschaft sehr verunsichert, oft auch frustriert, und fühlen sich alleingelassen, ohnmächtig – und es ist einfach gut verständlich, warum. Hier sind keine Rassisten, hier sind einfach vom rapiden Wandel überforderte Menschen. Typische Probleme sind die Mülltrennung und die unterschiedliche Lautstärketoleranz, verbunden mit einem Mangel an Kommunikation. Dazu ist das Umfeld der Siedlungen eher vernachlässigt, kein Vergleich zu den „Hochglanzvierteln“ auf der anderen Murseite. Davon, dass die KPÖ das Wohnbaureferat 15 Jahre lang leitete, ist wenig zu merken – die waren wohl mehr mit „Helfen statt Reden“ beschäftigt, anstelle echte Politik zu machen. Zweifelsohne haben sie vielen Menschen geholfen und die Qualität der Wohnungen verbessert – aber man erkennt nach wenigen Minuten, dass das einfach nicht reicht. Ganz im Gegenteil, genau hier in diesen Vierteln zielen die Hassparolen von populistischen Parteien und finden einen fruchtbaren Boden.

Wie kann’s besser werden? In erster Linie gilt es, die Ohnmächtigen zu ermächtigen und die Kommunikation in Gang zu bringen. In Wien sind Mieterbeiräte Pflicht, bei uns die Ausnahme. Stadteilzentren können helfen, die BewohnerInnen zu aktivieren, die Unterstützung von Ämtern zu organisieren (z.B. bei der Mülltrennung das Umweltamt, oder bei der Sicherheit die Polizei), gemeinsam das Umfeld zu verbessern (wie z.B. Spielplätze, Grünraum, Gehsteige etc.) oder verwahrloste Gemeinschaftsräume zu aktivieren. Dann ist es auch möglich, Versuche mit urbanen Gärten  zu starten, z.B. hier, oder verkehrsberuhigte Zonen zu schaffen, z.B. hier um den neuen Hauptbahnhofeingang. Kurz und gut: es gibt viel zu tun! Auf jeden Fall werde ich dafür eintreten, dass unsere GemeinderätInnen und BezirksvertreterInnen künftig mindestens einmal im Jahr eine Woche von Tür zu Tür gehen.


Karl-Heinz Posch
31. Oktober 2012 - Karl-Heinz Posch - , , , ,

Elevate: Günstig Wohnen

Ich war bei einigen Veranstaltungen des großartigen, von uns Grünen seit vielen Jahren unterstützten Elevate Festivals. Beim Workshop „Gemeinsam Bauen und Wohnen“ lernte ich das geniale Mietshäuser Syndikat kennen. Diese haben in Deutschland mittlerweile 60 selbstverwaltete Gemeinschaftswohnprojekte entwickelt. Unter dem Motto „lieber 1000 FreundInnen im Rücken als eine Bank im Nacken“ nutzen sie geschickt die Möglichkeit sogenannter Direktkredite. Menschen können Ersparnisse direkt bei der Hausbesitz-GmbH anlegen und parken – ohne Umweg über die Bank. Eine ausreichende Zahl von zinsgünstigen Direktkrediten schließt die Finanzierungslücke und hält die Mieten auf erträglichem Niveau – wichtig in einer Stadt wie Graz wo Mietkosten ins Unerträgliche steigen.

In Österreich soll nun auch so eine Syndikat-GmbH entstehen, und ich wurde eingeladen, diese Entwicklung zu unterstützen. Für eine gedeihliche Entwicklung des Wohnens in Graz ist es extrem wichtig, dass viele solche Projekte entstehen, die günstigen Wohnraum schaffen, die Menschen aktivieren und das Zusammenleben fördern. Es ist einer meiner Hauptanliegen, dies für die  Neubaugebiete Reininghaus und den Smart City Arealen zu fordern und zu fördern.

Leider glänzten alle Parteien außer den Grünen durch Abwesenheit beim Elevate Festival – das entspricht ihrer geringen Offenheit für solche Ideen. Die österreichische Gesetzespraxis ist auch nicht hilfreich – siehe diesen Artikel. Umso wichtiger ist jede Stimme für die Grünen – auch in unserer Stadt.

Siehe auch einige vergleichbare Projekte: die Kumpanei in Graz, das Wohnprojekt Wien, Seestern Aspern.