DIE GRÜNEN

Stadtpark I: Müssen Alleen der Hacke zum Opfer fallen?

So titelte die steirische Kronen Zeitung bereits  im Jahr 1976! Und startete eine Kampagne “Grünes Graz” mit dem Slogan “Grazer Bäume dürfen nicht sterben”! Schön wäre es, wenn sich eine solche Aktion nach 38 Jahren wiederholen ließe und ein Kampf um jeden Baum ausgerufen würde! Wir haben heute viele neue Möglichkeiten, unsere ehrwürdigen Baumriesen zu retten und zu erhalten! Ich bedanke mich schon jetzt bei den Damen und Herren aus den Redaktionen.

Und mit einem großen Dankeschön an Wolfgang Wagner für die ausführlichen Recherchen darf ich zu einer  kleinen Zeitreise einladen:

Ende Mai 1976 (das genau Datum ist dem Artikel nicht mehr zu entnehmen) schockierte eine Schreckensmeldung die Grazerinnen und Grazer. Auf Seite 9 der Kronen Zeitung prangte die Headline: “Test ergab: Die Grazer Alleen sind in Gefahr!” Auszüge aus dem Artikel: “… Vizebürgermeister Dipl. Ing. Hasiba: “… Alleen, die in Zeiten des Kutschenverkehrs gepflanzt wurden, bedürfen bald einer kompletten Erneuerung!”Und das sind die neuralgischen Punkte der Innenstadt: Jakominiplatz, Maria-Theresien-Allee, Erzherzog-Johann-Allee, Schillerplatz, Lendplatz, Parkstraße, Opern- und Joanneumring.
Im Fall Alleen wird aber nun von wissenschaftlicher Seite eine Untersuchung angestellt. Drei Varianten sind für das Grazer Stadtbild zu erwarten:
Variante 1: Alleen zur Gänze durch Neupflanzungen zu ersetzen.
Variante 2: Junge Pflanzen unter alte mischen.
Variante 3: Zugleich die teuerste: Sechs Meter hohe Bäume anstelle abgestorbener einsetzen.”

Schon wenige Tage danach – am 2. Juni 1976 – fand sich das Thema auf dem Titelbild der Krone:  “Müssen Alleen der Hacke zum Opfer fallen? Experten schlagen Alarm: In Graz sterben die Bäume.

Graz: Nun Kampf um jeden Baum! “In Graz schlagen die Wissenschaftler Alarm: durch schlechte Luftqualität und vor allem durch einen tückischen , ansteckenden Pilzbefall drohen ganze Alleen auszusterben. Wie sehr der Schein trügen kann, zeigt sich in der Marien-Theresien-Allee: 14 von 30 Bäume wird man bald fällen müssen! … Nun will man um jeden Baum kämpfen! Der Plan sechs Meter hohe Bäume anstelle der abgestorbenen einzusetzen, dürfte vermutlich an der Kostenfrage scheitern. (Vgl, Krone, 2.6.´76, S.6)

Auch am Folgetag (3. Juni 1976) blieb das Thema auf dem Titelblatt: Grüne Lungen unserer Hauptstadt in Gefahr: Die letze Chance für Grazer Bäume: Sofortmaßnahmen
Auf den Seiten 6 und 7 folgt die Schreckensmeldung: Nahezu alle Bäume zum Tod verurteilt!  Im Artikel werden dann aber konkrete Vorschläge vorgestellt, wie die Bäume vielleicht noch zu retten wären:  “Univ. -Prof. Dr. Franz Wolkinger (Ludwig-Boltzmann-Institut) zur steirischen “Kronen Zeitung”: “70 – 80 Prozent der Grazer Alleebäume in der Grazer Innenstadt sind am Absterben. Wir Wissenschaftler machen dafür vor allem zwei Ursachen verantwortlich: erstens die Salzstreuung im Winter und zweitens die Einschränkung des Lebensraumes der Bäume durch starke Asphaltierung.” Dr Stefan Plank , Botaniker dieses Instituts sieht allerdings noch eine Möglichkeit die “grüne Lunge” der Landeshauptstadt zu retten. … So will der Wissenschaftler die Stadt Graz vor dem Baumsterben bewahren: Der Boden, in den die Bäume gepflanzt sind, muß gespült werden, um das schädliche Salz zu entfernen. Der  “Asphaltrahmen” am Ansatz der Bäume muß  weg. Die bereits verseuchte … Erde muß ersetzt und durch frische ersetzt werden. Die Salzstreuung in der Alleestraßen der Innenstadt muß noch in diesem Winter eingestellt werden.”

Sehr bemerkenswert ist die Kolumne von Kurt Markaritzer (“Darüber reden die Steirer”) unter dem Titel Gartenstadt? Markaritzer schreibt  unter anderem: “Da muß man die Anliegen des Umweltschutzes berücksichtigen; in einer Zeit in der man bemüht ist, die natürliche Flora zu erhalten, kann man es nicht hinnehmen, daß hunderte Bäume langsam aber sicher absterben. Da ist es auch ganz wesenlich, daß durch den Tod der Bäume die Gesundheit der Grazer bedroht ist. Der anerkannte Wissenschaftler Univ.-Prof. Dr. Alois Bernatzky aus Frankfurt hat es am Dienstag bei einem Vortrag in Graz ganz deutlich gesagt: “Wenn man einen zehn Meter hohen Baum fällt, so muß man 2700 (!) Jungpflanzen einsetzen, um die gleichen klimatischen Bedingungen zu schaffen wie vorher!” … Wir alle sollten diese Fachleute unterstützen, denn die Bäume sind nicht nur das Symbol der Gartenstadt – sie sind im wahrsten Sinne des Wortes unsere “grüne Lunge!”

Vuckovic fährt fort: „Jeder hundertjährige Baum, der heute in Graz stirbt, kann erst in hundert Jahren vollwertig ersetzt werden ….“ und kündigt ein Initiative an: „Die steirische „Kronen-Zeitung“ unternimmt nun den Versuch, das durch die ständig steigende Umweltverschmutzung dringender werdende Bedürfnis nach Grün in der Stadt zu artikulieren. Wir werden auch unsere vielen Leser auffordern, sich für die Rettung unserer Bäume einzusetzen. … Und da wir daran glauben, daß eine Stadt nur so reich ist wie die Zahl ihrer Bäume, und weil wir um die existenzielle Bedeutung unseres immer kleiner werdenden Baumbestandes wissen, wollen wir nicht tatenlos zusehen, wie man unsere grünen Lungen einfach sterben läßt.“ (Vgl. Krone, 5.Juni 1976, S 6-7.)

Gesagt getan! Am 6. Juni ist das Baumthema wieder auf der Titelseite der Krone. Helfen sie mit: Wir kämpfen um jeden Baum!  Heute Startschuß zur Aktion „Grünes Graz“
Dem Thema Baumerhalt ist in der Krone vom 6. Juni 1976 nicht nur der Titelseite gewidmet sondern es folgen auf Seite 10-11 auch ein doppelseitiger Artikel, zwei Fotos und eine Kolumne. Der Titel des Artikels: Grazer Bäume dürfen nicht sterben! „Weil die Gefahr so groß ist, hat die steirische „Kronen-Zeitung“ die Aktion „Grünes Graz“ gestartet. Wir bitten unsere große Leserfamilie, uns beim Kampf um jeden Baum zu helfen.“  Eines der zwei beigefügten Bilder zeigt einen Buben auf seinem Dreirad, der gerade über das Kopfsteinpflaster der Marien-Theresien-Allee fährt. Der Text zum Bild:
„So ist es noch: herrliche Bäume, welche die Grazer Innenstadt verzieren und für die Gesundheit der Stadtbewohner äußerst wichtig sind. 800 dieser Bäume sind dem sicheren Tod geweiht, wenn die Stadtväter nicht sofort Maßnahmen setzen.“
(Vgl. Krone, 6.Juni 1976, S 10-11.)

Fortsetzung folgt.